Donnerstag, 9. Juni 2011

Kleiner Himmlischer Kreislauf Teil 2, Zhoutian-Übung

 
Die Vorbereitung für den Kleinen Himmlischen Kreislauf:


Entspannen und Still-werden:


Grundsätzliche Vorbedingung von Qi Gong ist Entspannen (Song) der Muskeln, Sehen, Bänder und Gelenke und Stillwerden (Ching) , das heißt, die Denksubstanz in einen ruhigen Zustand fallen zu lassen. Dazu sucht man sich einen störungsfreien Platz, schaltet das Telefon aus und hält alle von außen eindringende Erregungen und Reize von sich fern.
Bei Regen, Sturm und Gewitter soll nicht geübt werden. Nach dem Essen sollten 30 Minuten vergangen sein.
Zum Entspannen empfehlen sich leichte Lockerungs- und Dehnungsübungen. Übungen, die Kraftanstrengungen erfordern oder zu Atemnot oder keuchendem Atem führen, sind nicht geeignet, weil sie zur Beruhigung des Gesamtmechanismus nicht beitragen können.
Entspannungsübungen des Stillen Qi Gong sind empfehlenswert. Der Körper wird, beginnend beim Kopf, von oben nach unten entspannt. Man geht mit der Aufmerksamkeit von oben nach unten durch den Körper, prüft, ob die Augen entspannt in den Höhlen liegen, ob das Gesicht entspannt ist, lächelt nach innen, schließt die Lippen ganz locker, die Zähne sind nicht aneinander gepresst, und prüft in den Gliedmaßen des Körpers, ob alles entspannt ist. Dann stellt man sich vor, dass angenehm temperiertes Wasser von oben nach unten den Körper außen und innen duscht und durch-spült und genießt die Entspannung.
Immer wiederkehrende Gedanken können kommen und gehen, man läßt sie ohne Spuren zu hinterlassen weiterziehen wie die Wolken am Himmel. Einfach loslassen und die Denksubstanz beruhigen, um die Großhirnrinde zu entspannen. Eine entspannte Muskulatur ist immer ein Zeichen von entspanntem Cortex und vice versa (umgekehrt). Ist die Muskulatur gut entspannt, kann man daraus immer auf den Grad des erreichten Ruhezustands schließen.


Der Atem:


Je entspannter der Körper und je ruhiger und gelassener das Gehirn und das Nervensystem sind, desto langsamer verläuft auch die Atmung ohne Kraftanstrengung.
Vor Beginn jeder Qi Gong Übung ist es empfehlenswert, 9 mal die Qi Gong Atmung auszuführen. Das heißt, man atmet durch die Nase in den Unterbauch ein, die Zungenspitze liegt hinter den oberen Schneidezähnen am harten Gaumen, und lässt bei einer etwas längeren Ausatmen die Zunge wieder fallen. Dabei denkt man; „Alles Schlechte hinaus“.
Dem folgt die unten beschriebene Übung „Die Gedanken fliegen ins Dant'ien“
Bei der Hauptübung des „Kleinen Himmlischen Kreislaufs“ wendet man die paradoxe Atmung an. Das ist die umgekehrte Bauchatmung, bei der beim Einatmen die Bauchdecke eingezogen wird, wobei sich die Bauchmuskulatur und Beckenboden leicht anspannen. Der Bauchraum wird dadurch eingeengt und die Bauchorgane stehen unter Druck und das venöse Blut wird „heraus gedrückt“. Und auch das Qi wird aus dem Dant'ien in die Gefäße und Meridiane „hinaus getrieben“. Beim Ausatmen entspannt sich der Bauchraum und viel Qi kann in das Dant'ien einströmen. Diese Atmung wird auch „Tu Na“ Methode genannt, bei der das Qi genährt und gepflegt wird.
Sie wird teilweise auch in der Karzinombehandlung angewendet.
Bei unserer Übung dient sie der Pflege des Qi, weil das Qi bei jedem Durchlauf durch das Dant'ien neu aufgeladen wird, um mit noch größerer Kraft in den neuen Qi Umlauf zu gehen.


Die Position des Körpers:


Der Kleine Himmlische Kreislauf kann im Gehen, Stehen. Sitzen oder Liegen geübt werden.
Die Daoisten bevorzugen die Sitzposition. Sie sollte aber so gewählt werden, dass sie auch bequem ist, ohne sich anzulehnen!
Die Augen sollen geschlossen oder wie hinter einem Vorhang halb geöffnet sein, um nicht Qi durch die Augen zu verlieren. Hinter den geschlossenen Lidern wird der leer Blick in die Ferne oder nach Innen gerichtet.
Beim Gehen wird der Blick leer einige Schritte voraus gerichtet.
Wichtiger Tipp für Sitzen und Stehen:
Der Rücken soll gerade sein, Bai Hui ist in einer geraden Linie vertikal über Hui Yin,
Der Kopf wirkt wie am Bai Hui mit einem Seidenfaden im Himmel aufgehängt und Wirbel für Wirbel sind von den Halswirbeln bis zum Steißbein wie auf einer Perlenschnur aufgereiht, das Becken ist leicht vor-gekippt, wie unmittelbar vor dem Niedersetzen.
Das Kinn ist zur Brust gezogen, um die Halswirbel zu strecken und gerade zu richten und für den Qi Fluss durchlässig zu machen. Den Kopf keinesfalls in den Nacken legen..


Die Gedanken fliegen ins Dant'ien:


Diese vorbereitende Übung ist besonders für den Anfänger sehr hilfreich.
Die Aufmerksamkeit wird auf das Dant'ien gerichtet und man atmet in der Vorstellung sanft, rund und tief mit der umgekehrten Bauchatmung in den Unterbauch ein und spannt das Perineum leicht an. Dann stellt man sich vor, dass das Dant'ien bei jeder Ausatmung wie ein kleiner Luftballon (oder Ball) etwas aufgeblasen wird. Auch die Vorstellung eines Glutnestes, das durch Zugluft befeuert wird, wie man es vom Grillen kennt, kann hilfreich sein.
Menschen mit Blutniederdruck und Frauen während der Periode wählen statt des Unteren Dant'ien das Herznest (Xin Wo) auf der Mitte des Brustbein. Einige daoistische Frauentempel praktizieren den „Kleinen Himmlischen Kreislauf“ so, dass sie grundsätzlich immer im „Haus des Feuers“ (Herznest) beginnen,
Wenn Übende Probleme haben, den Kleinen Himmlischen Kreislauf im Unteren Dant'ien zu starten, ist es leichter, mit dem Herznest zu beginnen.
Wichtig:
Der Kreislauf wird immer, auch bei Beginn im Herznest, im Unteren Dant'ien abgeschlossen!
Es ist für Anfänger leicht, im Herznest bei der Kammer des Qi (Mittleres Dant'ien), nach einigem Üben wohlige Wärme zu empfinden. Es ist dann relativ einfach, das Qi vom Herznest mittels Aufmerksamkeit während der Ausatmung in das Untere Dant'ien sinken zu lassen.
Wichtig:
Allen Disziplinen der Inneren Kampfkunst liegt die Erkenntnis zugrunde, dass das Qi der Aufmerksamkeit folgt. Der Geist lenkt das Qi und das Qi folgt dem Geist!


Die Hauptübung:


Die Wiederholung (Teil 1) der Stationen des Kleinen Himmlischen Kreislaufs:


    Unteres Dant'ien (Xia Dant'ien) Der Dammpunkt (Hui Yin) Der Steißbeinpunkt (Wei Lü) Das Lebenstor (Ming Men) Ankunft des Yang (Zhi Yang) Der Große Wirbel (Dazhui) Das Jadekissen (Yuzhen) Der Scheitelpunkt, Himmelstor, Hundertfacher Sammler“, (Bai Hui) Yin Tang, („Siegelhalle“), ein Quadratzoll zwischen den Augen Ren Zhong, die Mitte des Menschen, auch Shui Gou, Wassergraben Cheng Qiang (Breifänger): Herznest (Xin Wo)

Der Kleine Himmlische Kreislauf beginnt im Unteren Dant'ien. Die Übung „Gedanken fliegen ins Dant'ien“ ist deshalb hilfreich, weil sich unsere Aufmerksamkeit bereits in diesem Bereich befindet..

Mit umgekehrter (paradoxer) Bauchatmung atmet man in der Vorstellung in das Untere Dant'ien ein und in dieses aus. Beim Einatmen zieht man die Beckenmuskulatur im Perineum und eventuell auch die Schließmuskeln leicht an. Beim Ausatmen wird entspannt und die Vorstellung eines aufzublasenden kleinen Balls, Luftballons oder Glutnestes bleibt aufrecht, wenn das Dant'ien mit kraftvollem, frischen Qi aufgefüllt wird.

Es ist darauf zu achten, dass man nicht die Beckenmuskulatur mit den Gesäßmuskeln verwechselt. Die zusätzliche Anspannung der Gesäßmuskeln ist nicht erforderlich, schadet aber nicht.

Diese Atemübung wird solange wiederholt, bis man das Gefühl hat, Atem und Qi sind bei dem Bereich angekommen, auf den sich die Aufmerksamkeit richtet.

Meiner Erfahrung nach ist es günstig, während der Dauer der Übung die Zungenspitze immer hinter den oberen Schneidezähnen am harten Gaumen zu belassen.

Wenn wir spüren, dass wir in dem Energiebereich mit Aufmerksamkeit und Qi angekommen sind, richtet sich die Aufmerksamkeit auf die nächste Station unseres Kleinen Himmlischen Kreislaufs.

Wichtig ist, sich für die einzelnen Stationen viel Zeit zu nehmen, um den Körper zu sensibilisieren. Alle Atemübungen sollen von Mühelosigkeit und Leichtigkeit geprägt sein.

Wenn wir alle Stationen geübt haben und wieder im Unteren Dant'ien angelangt sind
legen wir die Hände zum Abschluss übereinander auf das Dant'ien kreisen die Hände 36 mal im Uhrzeigersinn auf der Bauchdecke in immer größer werdenden Kreisen, aber nicht über Nabel und Schambein hinaus gehend, und dann 24 mal mit kleiner werdenden Kreisen zurück zum Ausgangspunkt.

Mit fortlaufender Übung wird der Entspannungszustand und die Innere Stille immer Tiefer werden und die Sensibilität gegenüber den körpergeistseelischen Vorgängen wird sich von allmählich steigern.

Der Übende wird erleben und empfinden, dass sich Realität und Vorstellung immer näher kommen und einander von selbst ohne Zutun korrigieren. Der Qi-Fluss wird vielleicht in der Empfindung breiter oder schmäler werden, als vorgestellt, er wird vielleicht weiter ins Körperinnere wandern, er wird unter Umständen vor dem geistigen Auge sichtbar werden oder bestimmte erfahrbare Sensationen auslösen.

Empfindungen (Sensationen) wie starke Wärme im Körper, oder „sich viel größer als normal fühlen“, oder dass der Körper plötzlich ganz leicht wird und vielleicht ohne Begrenzungen, aber auch Schwere und Kühle, Jucken und Ameisenkribblen usw. kommen immer wieder vor.

Das und vieles andere ist völlig normal, es zeigt nur, dass sich die Leitbahnen für den Qi-Fluss öffnen. Wenn das passiert, ist das völlig okay, wenn nicht, ebenfalls, dann sind die Leitbahnen vielleicht schon offen oder sie öffnen sich erst später.

Sollte man noch nicht in der Lage sein, die „Paradoxe Atmung“ anzuwenden, so übt man mit normaler Bauchatmung. Wichtig ist, dass der Atem sanft und rund ist, wie eine Welle, die etwas steiler ansteigt und dann etwas länger flach ausrollt.

Wer auch mit der Bauchatmung Probleme hat, sollte Atemübungen machen und vorläufig seine eigene tägliche Atmung anwenden, bis er die Bauchatmung bzw. paradoxe Bauchatmung beherrscht.

Da Qi Gong bei jedem Übenden seine Spuren hinterlässt sie auch ins tägliche Leben übertragen werden, ist es empfehlenswert, im täglichen Leben seine Art zu atmen zu beobachten. Damit können die Veränderung des Atmens bei Spannungen oder Angstzuständen kennengelernt werden. Dadurch hätte man die Chance, sich von Emotionen nicht aus der Bahn werfen zu lassen
und einiges Belastendes aus dem Alltag loszulassen.

Wenn man nun auf seinem Weg im „Kleinen Himmlischen Kreislauf“ ist, kann es vorkommen, dass man bestimmte Bereiche, auf die man die Aufmerksamkeit richtet, mit dem Qi nicht erreicht oder dass die Aufmerksamkeit auf einem bestimmten Bereich des Lenkergefäßes stehenbleibt oder überhaupt verloren wird.

Bleibt die Aufmerksamkeit stehen, so bleibt auch das Qi stehen. Umgekehrt ist es aber auch so, dass die Kraft des Qi für die Aufwärtsbewegung nicht reicht und unsere Aufmerksamkeit dann stehen bleibt.

Wichtig: Die Aufmerksamkeit darf in so einem Fall niemals gezwungen werden, das Lenkergefäß weiter nach oben zu verfolgen.

Wenn die Kraft im Dant'ien für die Qi Bewegung nicht mehr ausreicht oder die Aufmerksamkeit verloren wird, schickt man mit der Aufmerksamkeit zurück ins Dant'ien und beatmet (befeuert) es von Neuem, um das Qi aufzuladen.

Ist das Dant'ien wieder aufgefüllt, kann man mit einem neuen Kreislauf beginnen.

Das Qi im Lenkergefäß gleicht einer Quecksilbersäule. Zieht man es künstlich weiter als die natürliche Kraft aus dem Dant'ien ausreicht, so reißt die Säule ab und das lebensnotwendige Yuan Qi ist unwiederbringlich verloren.

Die Chinesen sagen: „Nur ein dummer Bauer zieht am Sprössling, um ihm beim Wachsen zu helfen“.

Und nun zur sogenannten Elsternbrücke:

Diener- und Lenkergefäß haben im Mundbereich keine Verbindung. Wenn die Zunge nicht hinter den oberen Schneidezähnen liegt, ist der Kreislauf getrennt. Beim Embryo liegt die Zungenspitze immer am Gaumenbogen und der Kleine Himmlische Kreislauf ist dadurch immer geschlossen. Der Embryo wird über den Nabel versorgt und über die Zunge fließt die Ursprungsenergie (Energie des früheren Himmels [Yuan Qi]) vom Lenkergefäß in das Dienergefäß. Die Gefäße (Wundermeridiane) sind die einzigen Energieleitbahnen, wo das Qi in beide Richtungen fließen und gelenkt werden kann, ohne Schaden anzurichten. Bei Meridianen kann durch inverse Fließrichtungen gesundheitlicher Schaden entstehen.

Der Name Elsternbrücke stammt aus einem chinesischen Märchen. Ein Prinz und eine Prinzessin wurden durch verfeindete Eltern voneinander durch einen unüberwindbaren Fluss getrennt. Da ihnen in ihrer Verzweiflung niemand half, bildeten unzählige Elstern mit ausgebreiteten Flügeln eine Brücke für das Liebespaar.

Das sollte die Bedeutung der Zunge als Elsternbrücke im Kleinen Himmlischen Kreislauf hervor-streichen.

Für die Daoisten ist der Kleine Himmlische Kreislauf von spiritueller Bedeutung. Seit Jahrhunderten kennen sie die lebensverlängernde Wirkung dieser Meditation. Langes Leben ist aber für spirituelle daoistische Mönche nicht Selbstzweck, sondern bedeutet die Chance einer langen und tiefen spirituellen Entwicklung. Gesundheit und Lebenslänge sind für sie nur ein Nebenprodukt oder Zugabe des Kleinen Himmlischen Kreislaufs zur spirituellen Entwicklung. Viele Meister haben durch jahrelanges Üben das Dao, die Erleuchtung erreicht.

Daoisten beteuern immer, dass sie die Erleuchtung im Gegensatz zu den Buddhisten nicht anzustreben, sondern nur die spirituellen Entwicklung zum sogenannten „Wahren Menschen“ durch ihre Übungen erreichen wollen. Kommt dazu noch die Erleuchtung, dann ist es gut. Willentlich kann man sie sowieso nicht herbeiführen oder „machen“. Man kann nur den Weg gehen, Erleuchtung kann nur „passieren“, muss aber nicht sein . Die Daoisten sagen: „Das Glück liegt am Rande des Weges, nicht am Ende der Straße“.

Es gibt einige daoistische Schulen, die den „Kleinen Himmlischen Kreislauf“ als Verbindung von Herzgegend mit Nierengegend definieren und meditieren, um das Feuer (Herzfeuer)unter das Wasser (Nieren) zu bringen, um mit dem aufsteigenden „Destillat“ in einem osmotischen Vorgang Knochenmark, Muskeln und Sehnen positiv zu beeinflussen.

Andere daoistische Denkschulen meditieren nicht den Kleinen Himmlischen Kreislauf, sondern konzentrieren sich vorwiegend auf die Pflege des Untere Dant'ien, um die Leitbahnen zu öffnen.

Diese Methode ist langwieriger, funktioniert aber nach dem gleichen Prinzip. Der „Goldene Ofen“ im Dant'ien wird durch Atemübungen und geistige Konzentration (Shen) angeheizt und Qi und Jing werden erhitzt und schließlich zum Überlaufen gebracht. Die überlaufende Energie sinkt als „Reines Yang“ hinab zum Wei Lü (Tor des Schwanzes) und steigt dann, durch langes Üben immer kraftvoller geworden, mit Jing zum Mittleren Dant'ien (Kammer des Qi) auf und dort wird Jing und Qi in „Reines Qi“ umgewandelt.

Beim Aufsteigen des „Reinen Qi“ zum Oberen Dant'ien (Speicher des Shen, Sitz des Ursprünglichen Geistes) erfolgt die Verfeinerung des „Reinen Qi“ zu „Reinem Shen“ (Reinem Geist) und damit erfolgt die Rückkehr des Reinen Geistes in die „Große Leere“ (T'ai Hsü).

Die Große Leere ist das Dao, das Namenlose, von dem alle Dinge kommen und in das alle Dinge zurückkehren.

Wichtig ist, dass der westliche Mensch nicht die Illusion hat, dass er die östlichen Zeitmaßstäbe auf den Westen anwenden kann. Wenn die Daoisten eine Übung als 100-Tagesübung bezeichnen,
gehen sie davon aus, dass täglich viele Stunden geübt wird. Diese Zeitspanne ist natürlich auf eine Übungsdauer von täglich 30 Minuten oder 3 mal 30 Minuten täglich nicht umzulegen.

Aber bleiben wir am Boden, das Ziel, unsere gegebene Lebensspanne weitgehend auszunützen und gesund zu leben können wir auch bei täglich 3o Minuten Üben allmählich erreichen.

Sollten wir eine hohe spirituelle Entwicklung oder außerordentliche Qi Gong Fähigkeiten anstreben, müssten wir allerdings unsere Leben radikal umstellen. Wenn wir das nicht wollen, bleibt uns die Freude an kleinen Fortschritten, um dem Ziel von Gesundheit, innerer Harmonie und langem Leben Schritt für Schritt immer näher zu kommen.

Für uns ist es ein großer Erfolg, mit der Übung des „Kleinen Himmlischen Kreislaufs“ die Gefäße (Wundermeridiane) zu aktivieren und unser Qi wieder in Fluss zubringen. Gelingt das, so können wir vom Öffnen der Gefäße sprechen und sicher sein, dass wir den Alterungsprozess allmählich verzögern.

Daoisten meditieren jahrelang, um die Gefäße (Wundermeridiane) im daoistischen Sinn zu „Öffnen“.

Im daoistischen Verständnis sind Gefäße und Meridiane geöffnet, wenn die Kraft des Qi zu einer so gewaltigen Kraft anwächst, dass das beim Meditieren als außerordentlicher und gewaltiger Energiestrom wahrgenommen wird. Die Energie wird wie ein heißes, sich drehendes Energiefeld empfunden, das sich auf der Bahn des Kleinen Himmlischen Kreislaufs ausbreitet und bewegt, und zwar von Zentrum zu Zentrum. Aber das ist nicht das Ziel unserer Übungen in diesem Blog und ginge zu weit.

Jedenfalls ist das daoistische „Öffnen“ der Energieleitbahnen eine Angelegenheit von Jahren, verbunden mit strenger sexueller Enthaltsamkeit oder/und Vermeiden der Ejakulation.

Es ist aber auch für uns nicht auszuschließen, dass es beim Üben im Bereich der Wirbelsäule zu der Erscheinung des „aufschießenden Yang Qi“ kommt, gut spürbar, teils stärker, manchmal etwas schwächer.

Mit Fortdauer der Übung geht der Kleine Himmlische Kreislauf auf ganz natürliche Weise in den Großen (Himmlischen) Kreislauf der Gefäße und 12 Hauptmeridiane über.

Dazu ist nur Geduld und Ausdauer erforderlich. Der Lohn ist ein langes und gesundes Leben.


Physiologische Auswirkungen:

Je länger man übt, desto mehr erreicht man die Ruhigstellung der Großhirnrinde, auf deren Bedeutung in diesem Blog immer wieder hingewiesen wird.

Je besser die Ruhigstellung, desto geringer wirken die Emotionen auf das Großhirn und desto besser nimmt der Cortex seine Schutzfunktionen gegen Krankheiten wahr.

Im vegetativen Nervensystem kommt es zum Ausgleich von Sympathikus und Parasympathisch, wodurch der Blutdruck geregelt wird.

Die Übungen haben einen positiven Einfluss auf Atmung und Stoffwechsel, weil sich die Atemfrequenz verringert und der Grundumsatz sinkt.

Qi Gong Meister und die TCM Ärzte in China betonen übereinstimmend mit europäischen TCM Medizinern, dass viele schwer heilbare chronische Krankheiten gemildert werden.

Hier wird angeführt: Niereninsuffizienz, Tinnitus, Schwindel und Vergesslichkeit, also Krankheiten,die mit Ausscheidungsstörungen der Nieren zusammenhängen, Herzrhythmusstörungen, hormonelle Störungen der Nebennieren und andere chronische Leiden.


© 2011Copyright: Dr. Reinhard Hörmann

Dienstag, 7. Juni 2011

Der Kleine Himmlische Kreislauf Teil 1, Xiao Zhoutian-Übung

Das sogenannte Öffnen des Kleinen Himmlischen Kreislaufs gehört zu den bekanntesten Daoistischen Meditationspraktiken und wird dem Stillen Qi Gong zugerechnet.
Diese daoistische Basis - Übung entspricht dem daoistischen Bild der „Drei Dant'ien“ und dem sie umgebenden Himmlischen Kreislauf, der auf den beiden Wundermeridianen „Lenkergefäß“ (Du Mai) und „Konzeptionsgefäß“ (Ren Mai) verläuft. Die Verbindung dieser zwei Wundermeridiane wird durch die Zungenspitze am harten Gaumen hinter den oberen Schneidezähnen geschlossen.

Das Lenkergefäß („Du Mai“):

„Du“ bedeutet Gouverneur, „Mai“ heißt Gefäß. Wie der Name schon andeutet, regiert das Lenkergefäß als Gefäß das Ur-Yang wie ein Gouverneur über alle Yang Meridiane.

Dieser Wundermeridian beginnt zwischen Anus und Steißbein und passiert den Steißbeinpunkt („Wei Lü“), dann den Lendenwirbelpunkt („Ming Men“) (Tor des Lebens) und steigt über die Mittellinie des Rückens über Hinterkopf und Kopfmitte „Bai Hui“ (Himmelstor) zu Stirn und Nase und tritt zwischen Nase und Mund (Punkt Mitte des Menschen [Ren Zhong]) an seinem Ende im harten Gaumen ein.


Der „Du Mai“ wird auch als „Meer der Yang Meridiane“ bezeichnet, weil er die Energien der Yang Meridiane bzw. der Yang Organe ausgleicht.

Das Konzeptions (oder Diener-)Gefäß („Ren Mai“):

„Ren“ bedeutet „Verantwortlicher“. Das Konzeptionsgefäß als Gefäß des „Ur Yin“ ist verantwortlich für alle Yin Meridiane

Dieser Wundermeridian entspringt bei den Nieren, zieht hinunter zum Dammpunkt (Perineum) und tritt im Punkt Hui Yin (Tor des Todes), genau Mitte Damm gelegen, an die Körperoberfläche und steigt die vordere Körpermitte über Schambein, Nabel, Brustbein und Hals hoch bis zu der Furche zwischen Kinn und Unterlippe (Punkt Breifänger), tritt dort in das Kiefer ein und endet in der Zungenwurzel. Von dem Punkt (Breifänger [„Cheng Qiang“]) führt auch je ein Innerer Ast links und rechts über die Wangen zu den Augen.

Der „Ren Mai“ wird auch als das „Meer der Yin Meridiane“ bezeichnet, weil er die Energien der Yin Meridiane bzw. Yin Organe ausgleicht. Er ist der polare „Yin“ Partner des „Yang“ Lenkergefäßes „Du Mai“.

Der natürliche Qi Fluss verläuft also bei beiden Meridianen von unten nach oben.

Im „Kleinen Himmlischen Kreislauf“ wird jedoch das vordere Energiegefäß, der „Ren Mai“, dazu benutzt, das „Yin Qi“ in diesem Gefäß gegen seine natürliche Flussrichtung nach unten zu drücken, während im hinteren Gefäß Du Mai das feurige Yang Qi hoch-gedrückt wird.

Die Energie steigt also hinten in der Mitte des Rücken bis zur Schädelmitte Bai Hui hoch und vorne hinunter.

Die einzelnen Energiebereiche des Kleinen Himmlischen Kreislaufs:


Es wird zwar immer, wie auch in diesem Blog, von Punkten gesprochen, besser ist es aber, sich Energiezentren oder Energiebereiche mit verdichteten Zentren vorzustellen.


1.) Unteres Dant'ien (Xia Dant'ien):


Das ist der wiederholt in diesem Blog beschriebene Yang – Qi - Speicher im Unterbauch, der drei bis vier Querfinger unter dem Nabel, etwa 4 cm im Inneren gelegen und etwas so groß wie eine Zwiebel ist.


2.) Der Dammpunkt (Hui Yin):


Liegt in der Mitte am Damm zwischen Geschlechtsorgan und After. Dieser Punkt heißt auch „Tor (Pforte) des Lebens und des Todes“. Er sollte mental immer nach außen geschlossen sein. Für den inneren Qi – fluss [für Nei Qi (das Qi im Körper)] muss dieser Punkt offen sein, weil der Hui Yin Punkt die Qi Verbindung zur Ursprungskraft der Erde, zum ursprünglichen Yin, darstellt.
Nach außen muss diese Punkt immer geschlossen sein, um zu vermeiden, das Ursprungs Yin unwiederbringlich verloren geht.
Da durch diesen Punkt die Samenflüssigkeit hinaus-strömt und Leben entsteht, anderseits aber durch den Verlust von „Reinem Yang“ (Samen und Menstruationsflüssigkeit) das Leben verkürzt wird, heißt dieser Punkt auch „Tor des Lebens und des Todes“.
Blockaden des Dammpunktes können immer mit sexuellen Störungen in Zusammenhang stehen.


3.) Der Steißbeinpunkt (Wei Lü):


„Wei Lü“ (Punkt „Große Kraft“) liegt an der Spitze des Steißbeins. Wei Lü bildet mit Du 1 (Chang Qiang), dem Beginn des Du Mai, das „Tor des Schwanzes“, also die 1. Pforte des „Kleinen Himmlischen Kreislaufs“.
Für die Daoisten ist hier das unterste Passtor und ein wichtiges Energiezentrum für das Yuan Qi in engem Zusammenhang mit der Sexualenergie. Impotenz und frühzeitiger Samenerguß können auf eine Blockade dieser Pforte hinweisen.


4.) Das Lebenstor (Ming Men):


Liegt zwischen 2. und 3- Lendenwirbel und ist die Projektion des Unteren Dant'ien nach hinten an der Körperoberfläche, es ist Sitz des MINGMEN–FEUER und der Wurzel der Essenz..
„Ming“ ist „der Wille des Himmels“, „Men“ ist das Tor.
Im „Lebenstor“ ist das „Vorgeburtliche Qi“, das „Yuan Qi“ angelegt, zu einem Zeitpunkt, wo Vater und Mutter sich vereinigen. Der männliche Samen verlässt dieses Tor (beim Mann) und die weibliche Eizelle empfängt durch dieses Tor (bei der Frau), das legt die Lebensspanne fest, Ming Men ist also der Eingang (das Tor) zum Leben und zum Schicksal.
„Tor des Lebens“ deshalb, weil basierend auf dem Trigramm Kan aus dem Buch der Wandlung (I Ging) die Theorie entstand, Ming Men sei das „Tai Ji“ des Mikrokosmos entsprechend dem „Tai Ji“ des Makrokosmos, aus dem das Ursprüngliche Yang und das Ursprüngliche Yin entstand.
Ming Men muss nach außen immer geschlossen sein, deshalb legen ältere Menschen beim Gehen intuitiv die Hände auf den Rücken und halten Ming Men zu.
Ming Men ist als 2. Pass oder Pforte vom aufsteigenden Yang Qi zu überwinden.


5.) Zhi Yang, Ankunft des Yang:


Bringt Yang Qi in den Brustraum, liegt zwischen 7. und 8. Brustwirbel, etwa auf Höhe der Schulterspitzen.
Der Bereich „Ankunft des Yang“ ist eine weiterer (3.) Pass, wo eventuelle Blockaden überwunden und aufgelöst werden müssen.


6.) Der Große Wirbel (Dazhui):


Liegt zwischen dem 7. Halswirbel und 1. Brustwirbel. Hier vereinigen sich alle Yang Meridiane des Fußes mit dem Lenkergefäß, es ist der Treffpunkt aller Yang Meridiane, die das „Klare Yang“ aufwärts zum Kopf transportieren. Das ist der 4. Passübergang, und je älter man wird und je schwächer der Druck des aufsteigenden Yang-Qi im Lenkergefäß wird, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit eines Qi Staus. Die Daoisten sehen hier den Sitz des Alterns. Kommt keine Energie in den Kopf, werden die Haare grau, fallen aus und die Haut wird fahl und schlaff. Die Zähne fallen aus und der Mensch altert frühzeitig. Durch das Üben des Kleinen Himmlischen Kreislaufs wie durch andere Qi Gong Übungen können diese Blockaden aufgelöst werden.


7.) Das Jadekissen (Yuzhen):


Liegt Mitte des unteren Hinterhauptes, knapp über dem Rand des Schädelbeins und ist die hintere Projektion des oberen Dant'ien nach hinten an die Körperoberfläche. Steht hinsichtlich des Alterns , das im Nacken und im Hinterkopf beginnt, eng mit Dazhui in Verbindung und muss durch Üben mental durchlässig bleiben. Dieser Bereich wird auch „Tor des Schweigens“ genannt und ist der 5. Pass.


8.) Der Scheitelpunkt, Himmelstor, Hundertfacher Sammler“, Bai Hui genannt:


Liegt auf der Mittellinie Schädel im Schnittpunkt mir einer Linie, die beide Ohrspitzen verbindet.
Das Qi, das hierher vordringt, muss das „Eiserne Tor“ (6. Pass) zwischen Jadekissen und Bai Hui überwinden und sollte nach unten zum „Dant'ien“ fließen und mental am „Abstrahlen“ gehindert werden. Mit zunehmendem Alter wird dieses „Eiserne Tor“ immer mehr zum Hindernis.


9.) Yin Tang, („Siegelhalle“), ein Quadratzoll zwischen den Augen:


Liegt zwischen den Augen und ist die Projektion des Oberen Dant'ien (Shang Dant'ien) nach vorne an die Körperoberfläche. Er ist das Qi Zentrum der Hypophyse. Dieser Bereich steht mit den geistigen und intuitiven Fähigkeiten in Verbindung und ist Sitz des rudimentären Organs „Drittes Auges“. Dieser Bereich ist wichtig beim Qi Gong (auch beim Kleinen Himmlischen Kreislauf) für die Bedeutung des Lächelns. Die Stirn und das Obere Dant'ien wird durch Lächeln entspannt und „Yin Tang“ kann besser von Qi durchflutet werden.


10.) Ren Zhong, die Mitte des Menschen, auch Shui Gou, Wassergraben genannt:


Liegt auf der Furche zwischen Nasenansatz und Oberlippe. Der Name „Mitte des Menschen“ kommt daher, dass die Nase bzw. der Atem dem Himmel zugeordnet wird und der Mund, bzw. die Nahrung, der Erde, und der Mensch befindet sich zwischen Himmel und Erde.
Von hier tritt das Qi über den Punkt „Yin Jiao“, (dem Zahnfleischpunkt über den oberen Schneidezähnen) durch das Zahnfleisch des Oberkiefers in den harten Gaumen hinter den oberen Schneidezähnen ein. Über die Zunge, deren Spitze am harten Gaumen hinter den oberen Schneidezähnen liegt und als Elsternbrücke dient, gelangt das Qi zur Zungenwurzel und in den Ren Mai.


11.) Cheng Qiang (Breifänger):


Liegt in der Furche zwischen Unterlippe und Kinn. Von hier kann das Qi, das über den Ren Mai von der Zungenwurzel im „Cheng Qiang“ an die Körperoberfläche kommt, nach unten gelenkt werden.


12.) Das Herznest (Xin Wo):


Liegt in der Mitte des Brustbeins und ist die Projektion des Mittleren Dant'ien (Zhong Dant'ien) nach vorne an der Körperoberfläche.
Das Herznest gilt den Daoisten als Sitz des emotionalen Herzens. Von hier wird das Qi ins Untere Dant'ien (Xia Dant'ien) geleitet. Hier schließt sich der Kleine Himmlische Kreislauf,
und ein neuer „Kleiner Himmlischer Kreislauf“ beginnt.


Praktische Tipps zur Übung im folgenden Post „Kleiner Himmlischer Kreislauf“ Teil 2




© 2011Copyright: Dr. Reinhard Hörmann






























Freitag, 27. Mai 2011

Voraussetzungen für therapeutischen Heilerfolg durch Qi Gong

Qi Gong ist seit tausenden von Jahren eine der Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Sowohl bei präventiver wie auch bei therapeutischer Anwendung sind drei essenzielle Voraussetzungen zu erfüllen.

  1. „Entspannung“ (Song) und „Still-werden“ (Ching)
  2. Synchronisation (Übereinstimmung, Vereinigung) von Aufmerksamkeit (Yi) und Atmung
  3. Aneinanderreihen von Üben und Ausruhen (Einfach Sein)

Die erste Voraussetzung: Entspannen und Still-werden

Qi Gong erfordert zur Wirksamkeit der Übungen, seien es Übungen des „Stillen Qi Gong“ oder „Übungen in Bewegung“, körperliche Entspannung und innere Ruhe (Still-werden).

In diesem Blog wurden bereits einige Entspannungsübungen vorgestellt. Sie beschreiben, was gemacht werden kann, um den Körper des Übenden mit all seinen Muskeln, Sehnen und Gelenken vollkommen zu lockern und zu entspannen.

Man beginnt bei der Entspannung immer mit Kopf, Gesicht und Augen, lächelt nach Innen und entspannt den gesamten Körper von oben nach unten, egal, ob man steht, geht, sitzt oder liegt.

Dazu sind auch Jogaübungen oder Schüttelübungen, die den gesamten Körper lockern und schon als daoistische Verjüngungskur in diesem Blog gepostet wurden, bestens geeignet.

Achtung:

Bei der körperlichen Lockerung ist strikt darauf zu achten, dass weder keuchender Atem oder Kurzatmigkeit, noch Atemknappheit oder Atemnot hervorgerufen werden. Man soll in jeder Phase der Lockerungsübungen in der Lage sein, leicht, ruhig und sanft zu atmen. Die körperliche Lockerung und Entspannung „Sung“ als Grundlage für Qi Gong Übungen stehen im krassen Gegensatz zu den im Sport üblichen Aufwärmübungen, wo der Körper durch Erhöhung von Pulsfrequenz und Körpertemperatur vor eventuellen Verletzungen geschützt und auf Betriebstemperatur gebracht wird. Im weichen Qi Gong sind die Bewegungen sanft und es kommt niemals zu Überdehnungen von Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken. Es geht einzig darum, den Körper in seiner Gesamtheit zu lockern und für den Qi-Fluss durchlässig zu machen. Das passiert eben nur, wenn auch dieses Lockern täglich geübt wird, und alle Lockerungsübungen in Ruhe und Natürlichkeit, ohne Krafteinsatz und Anstrengung ausgeführt werden. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit auf die bewegten Körperteile und es wird bewusst solange gelockert, bis auch der letzte Rest von Anspannungen im Körper verschwindet. Nur ein entspannter Körper ist für die Energien durchlässig und Sinn des Qi Gong ist es, Qi-Blockaden auflösen, das Qi im Energiekreislauf zu bewegen, auch die entferntesten Zellen mit frischem Qi zu versorgen und altes verbrauchtes Qi auszuscheiden.

Wenn wir beim Lockern unsere Aufmerksamkeit auf die zu entspannenden Körperteile oder Körperregionen richten, erfolgt gleichzeitig eine Entspannung des gesamten Denkkomplexes.
Äußere Reize werden immer mehr in die Ferne rücken und die Denksubstanz wird mehr und mehr beruhigt. Herumirrende Gedanken werden nicht mehr verfolgt und verlieren immer mehr an Bedeutung. Mit der Fortdauer der Übung lernt man, Gedanken kommen und gehen zu lassen, ohne dass sie eine Spur hinterlassen. Das Still-werden (Ching), der Zustand der inneren Ruhe, geht immer Hand in Hand mit der Entspannung der Muskulatur. Je entspannter die Muskulatur ist, desto tiefer ist der erreichte Grad des inneren Ruhezustandes.

Natürlich erschweren gewisse Lebenssituationen das Entspannen und Still-werden. Wenn man aber nicht in der Lage ist, diese Situationen aus eigener Kraft zu meistern, sollte man nicht davor zurückscheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei es durch einen guten Qi Gong Lehrer oder durch einen guten Therapeuten.

Will man sich aber trotz schwieriger Lebenssituation aus eigener Kraft zur Selbsthilfe aufraffen, so funktioniert das nur mit viel Üben und Entspannen. Mit Üben und Loslassen. Man muss Üben und geduldig warten, bis der Körper durchlässig wird. Der „Song“ Zustand kann nicht gemacht werden, er stellt sich bei Entspannung und innerer Ruhe von selbst ein. Und letztlich wird die Ruhe und die Natürlichkeit auch im täglichen Leben Einzug halten.

Die zweite Voraussetzung: Übereinstimmung von Aufmerksamkeit und Atem


Grundsätzlich sollte ein Anfänger im Qi Gong vorerst einmal natürlich  atmen, also den Atem frei fließen zu lassen und nicht versuchen, den Atem zu regulieren. Der Atem sollte nach Lockerung und Still-werden rund, weich, langsam und tief sein. Rund heißt, der Atem sollte von selbst kommen und gehen, ohne jedes Wollen, und zwar ohne jede Anstrengung. Rhythmisch, ohne merklichen Übergang von Einatmen zum Ausatmen, wie eine Welle, die sich aufbaut und wieder abschwillt, ohne Kraftanwendung der Atemmuskulatur.

Ideal ist die Ein- und Ausatmung durch die Nase. Wenn es gelingt, dass der Atem so sanft fließt wie durch einen Seidenfaden gezogen, der jäh abreißen könnte, kann dazu übergegangen werden, den Atem in der Vorstellung tief und sanft in den Unterbauch zu ziehen. Dabei ist der Atem wie eine Sinuskurve, die etwas steiler ansteigt und etwas flacher abfällt. Das heißt, das Einatmen ist etwas kürzer und das Ausatmen ist etwas länger.

Die Aufmerksamkeit des Atmenden ist auf den Atem gerichtet. Aber nicht angespannt oder krampfhaft, sondern beobachtend. Der Atmende wird Beobachter des eigenen Atems, er wird zum einfachen Zuschauer. Er beobachtet etwas, was er schon hunderttausende mal gemacht hat, ohne sich dessen bewußt zu werden. Aber er greift keinesfalls in diesen Atemprozess ein!

Je ruhiger und gelassener das Gehirn und das Nervensystem sind, desto langsamer geschieht auch die Atmung ohne Kraftanstrengung. Und je ruhiger die Atmung verläuft, desto leichter wird ein überreiztes vegetatives Nervensystem wieder ins Gleichgewicht gebracht.

Achtung:

Die Aufmerksamkeit wird immer durch die Atmung gelenkt und nicht umgekehrt. Der Atem bestimmt, die Aufmerksamkeit folgt und haftet ihm an.
Bei Qi Gong in Bewegung bestimmt immer die Atmung und die Atemlänge die Länge der Bewegung, nie umgekehrt!

So kommt es zur Vereinigung bzw. Übereinstimmung von Aufmerksamkeit und Atmung.


Die dritte Voraussetzung: Aneinanderreihen von Üben und Ausruhen (Einfach Sein)


Im Allgemeinen definiert sich der westliche Mensch durch Aktivität. Von Kindheit an sind wir konditioniert, zu funktionieren und „etwas zu tun“, etwas zu leisten. „Nichtstun“ wird gleichgesetzt mit „Nichts taugen“, den natürlichen Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe müssen wir erst wieder lernen. Wir müssen wieder lernen, auf den Körper zu hören und seinem Ruhebedürfnis nach Anstrengungen, seien diese körperlicher oder geistiger Art, nachzukommen.

Es ist daher in der Regel viel leichter, einem Patienten verständlich zu machen, was er tun, was er üben soll, als ihn/sie dazu zu bringen, etwas nicht zu tun, etwas zu unterlassen.

Es ist nicht leicht, einen Übenden davon zu überzeugen, dass er nach all seinen Aktivitäten und Übungen den Anforderungen seines Organismus nach Passivität, nach Ruhe, folgen und in den Zustand des absoluten Nichtstuns eintreten soll.

Entsprechend dem kosmischen Gesetz von Yin und Yang muss auf Aktivität Ruhe folgen, dem Üben muss das Nicht-Üben folgen.

Die Patienten finden meistens nicht den richtigen Weg zwischen Üben und „Nicht Üben“.

Vielfach sind Kranke passiv, deprimiert, halten die Übungen für nicht notwendig und zweifeln an der Wirksamkeit. Damit verabschieden sie sich innerlich von jedem möglichen Selbstheilungsprozess des Organismus.

Andere wieder sind über-motiviert und wollen die Heilung willentlich erzwingen. Sie legen also in einem Augenblick, wo das Feuer schon gut brennt, noch soviel Holz nach, dass der Ofen explodiert.

Der Selbstheilungsprozess des Organismus greift dann, wenn der Übende nach Beendigung der Übungen den Zustand „passiver Ruhe“ einnimmt. Einen Zustand des “Nicht Wollen“ , des „Nicht Eingreifen“, des „Loslassen“, des „Vergessen jeden Wollens“, diesen Zustand nennt man „Wu Wei“.

Wer diesen Zustand des „Nicht-Eingreifen“ erlernt, der begreift, dass die Natur seinen Organismus viel besser reguliert,als das durch irgendein „Tun“ möglich wäre, das durch das individuelle Bewusstsein gesteuert wird.

Nach längerer Zeit des täglichen Übens des „Wu Wei“ wird der Körper im Laufe der Übungsphasen noch ruhiger, die Pulsfrequenz sinkt und der/die Übende hat manchmal das Gefühl, überhaupt nicht mehr zu atmen.

Der Körper wird durchlässig für Qi wie ein frisch aufgeschütteltes Daunenpolster oder wie frisch beackerter Erdboden, der Luft und Wasser aufnehmen kann.

Manchmal erlangt der/die Übende auch das Gefühl, dass die körperlichen Begrenzungen verschwinden und er/sie mit der Umwelt, mit dem Kosmos verschmilzt.

Nichts mehr wird willentlich herbeigeführt, es geschieht und man läßt es geschehen. Der Zustand ist geprägt von erhöhter Wahrnehmungsfähigkeit, innerer Harmonie und Heiterkeit und Abkapselung gegenüber äußeren Einflüssen und Reizen.

In tiefer seelischer Ruhe wird oftmals rationales abstraktes Denken in bildliche und sinnliche Wahrnehmung umgewandelt. Komplizierte geistige Zustände und Probleme werden durch die Regulationsfähigkeit des Geistes zu einfachen Zuständen.

Dies nennt man allgemein den „Qi Gong Zustand“ Das ist jener Zustand, wo Selbstheilkräfte des Organismus die Reparaturarbeiten in KörperGeistSeele erfahrungsgemäß am besten durchführen können.

In der modernen Terminologie spricht man auch von „Ruhezustand der Gehirnrinde“ oder vom „Zustand der kortikalen Hemmung“ oder von der „speziellen Schutzhemmung“ .
Dieser spezielle Zustand der Großhirnrinde  wird auch "protektiver, inhibitorischer Ruhezustand genannt.


Schon die alten Qi Gong Meister machten die Erfahrung, dass durch Qi Gong gewisse Reflexe bedingt und ausgebildet werden. Wichtig dabei ist, dass die ganze Aufmerksamkeit (Yi) nur auf eine Sache (in unserem Fall auf die Atmung) gerichtet ist.

Auch heute erlebt der Qi Gong Übende, dass er anfangs viel Zeit des Übens damit verbringt, seine Vorstellungskraft und Aufmerksamkeit zu schulen, um zu lernen, Qi zu leiten und zu lenken.

Irgendwann nach häufigem Üben passiert es  dann, dass alleine eine kurze gezielte Vorstellung oder alleine ein Gedanke die beabsichtigte Qi Bewegungen im Körper bewirkt und den Strom des Qi Flusses reflexartig spürbar macht.

Die moderne Neurophysiologie erforschte (vereinfacht ausgedrückt), dass sich die entstehenden aufeinanderfolgenden Reizwirkungen zu Nervenreizungen umwandeln, die entlang der Nervenfasern in das zentrale Nervensystem laufen, wo die Reize nach den entsprechenden Umschaltungen über andere Bahnen in das entsprechende Organ gelangen. Die dort ankommenden Reize lösen ganz spezifische Reaktionen in den ausführenden Zellen im Organ aus.

Durch die ständig erfolgenden Reize kann das allgemeine positive Funktionieren des Organismus beeinflusst werden. Genauso können vice versa Krankheiten als Wirkung der negativen Konditionierung entstehen, die ebenfalls durch die Einwirkung äußerer und innerer Reize entstanden ist.

Dem „Song Zustand“ kommt nach dieser Theorie eine besondere Bedeutung zu. Dieser Zustand entspricht der schon genannten „speziellen Schutzhemmung“.

Das sind Hemmungsvorgänge, die in der Funktion der Großhirnrinde in den Gehirnzellen eine wichtige physiologische Ruhe herbeiführen. Dadurch kommt es, Neurobiologen mögen mir die Vereinfachung verzeihen, zu einer Abschwächung des Reizzustandes der Gehirnrinde. Das ermöglicht eine schnellere Regeneration der Nervenzellen und bewahren sie vor der völligen Erschöpfung.

Je schwächer das Nervensystem ist, desto weniger verträgt es Überbelastung und umso leichter können sich neurotische Symptome entwickeln. Dem wirkt also diese „spezielle Schutzhemmung“ entgegen.

Die Schutzhemmung kann auch durch Schlafmittel, andere Medikamente und Hypnose erreicht werden.

Die TCM Therapeuten in den Sanatorien Chinas bewiesen in unzähligen Fällen, dass durch die „Inneren Nährenden Übungen“ die gleiche Wirkung ohne Einnahme von Medikamenten erreicht werden kann. Allerdings dauert es länger, sie zu erlernen und zu üben. Der Vorteil dieser Qi Gong Übungen ist, dass sie keine Nachwirkungen hervorrufen.

Bei Interesse sind Übungsbeschreibungen nachzulesen in den Beiträgen „Innere Nährende Atemübungen“, gepostet in diesem Blog.











© 2011Copyright: Dr. Reinhard Hörmann

Montag, 16. Mai 2011

Die Innere Schule der Daoisten und die Äußere Schule der Shaolin

In der daoistischen Tradition liegt das Augenmerk der Übungen und Meditationen der daoistischen Adepten in den ersten Jahren im „Unteren Dant'ien“ im Unterbauch. Das „Untere Dant'ien“ wird auch als das „Untere Feld des Elixiers“ oder als „Goldener Ofen“ bezeichnet.

Der Daoist richtet seine Aufmerksamkeit darauf, immerwährend sein „Unters Dant'ien“ zu behüten wie einen Schatz. Egal ob er spazieren geht oder meditiert. Was auch immer er tut, er richtet seinen gebündelten Geist auf dieses feinstoffliche Energiezentrum im Unterbauch und lenkt in seiner Vorstellung beim Einatmen seine Atmung dorthin. Das nennt man das Feuer unter das Wasser (oder in den goldenen Ofen) bringen. In der klassischen Zeit strebte man damit an, die Unsterblichkeit zu erlangen.

Die Aufmerksamkeit („Yi“) und der Atem sind das „Feuer“, weil Vorstellung und Aufmerksamkeit
(„Yi“ als Aspekt des „Shen“) Yang darstellen. Diese Bündelung von Aufmerksamkeit und Atem führt zu einer Ansammlung von Qi im Unteren Dant'ien. Darüber hinaus kommt es zu einer Ansammlung von Jing, das von den Daoisten seit Alters her als eigene Energie angesehen wird. Jing gilt den Daoisten als Manifestation des Ursprungs Qi, das sich in der machtvollen Sexualenergie als manifestiert. Qi und Jing sind die Brennstoffe im goldenen Ofen „Dant'ien“, der durch Erhitzen zum Überlaufen gebracht wird.

Das wie ein Destillat entstehende „Reine Yang“ steigt auf und durchdringt die anderen Hauptenergiezentren sowohl im feinstofflichen Wesensbereich, wo die Transformation zu „Reinem Qi“ stattfindet, wie auch im körperlichen Bereich, wo Muskeln, Sehnen und Knochen in der Art verändert werden, wie man das nur bei Meistern der Inneren Kampfkunst finden kann. Muskeln und Sehnen werden weich, elastisch und dehnbar, wie die eines Kindes und die Knochen werden durch knochenmarkähnliche Ablagerungen härter als Stahl. Vergleichsmessungen des Gewichts der Unterarme daoistischer Meister und gleich schwerer Männer ergaben, dass die Unterarme der Daoisten um ein Vielfaches schwerer waren als die Unterarme gleichgewichtiger Vergleichspersonen mit mehr Muskelmasse.

Im Daoismus wird wenig gelehrt und gesprochen, aber viel vorgezeigt und geübt. Der Daoistische Meister lehrt durch Vorbildwirkung, nicht mit Worten. Nur durch dauerndes Tun und durch Üben der Aufmerksamkeit und Vorstellung ist es möglich, den erforderlichen Fangsong Zustand zu erreichen.

Das lässt sich nicht mit dem Willen herbeiführen und auch nicht durch Belehrungen übermitteln. Man muss geduldig üben und warten, bis „es“ geschieht. Fangsong ist der Zustand von Gelassenheit und innerer Harmonie, ein Zustand der Heiterkeit und doch von unglaublicher Wachheit und geistiger Frische.

Im Fangsong nähern wir uns wieder dem „Wu Ji“, dem „Ursprünglichen Einen“, ohne Anfang und Ende, aus dem alles kommt und alles zurückkehrt. Im Fangsong wird der Körper durchlässig, das Qi kann frei fließen, die Gesundheit stellt sich ein und unser „Nei Qi“, unser „Inneres Qi“ im Körper wird vermehrt und kultiviert. Und das Yang Qi kann aufsteigen.

Die Tradition der „Shaolin“.

Die Schule der Shaolin wird im Gegensatz zur daoistischen „Inneren Kampfkunst“ als „Äußere Kampfkunst“ bezeichnet. Sie wurde von Ta-Mo, auch bekannt als Bodhidharma oder Daruma, dem ersten buddhistischen Patriarchen der Chan (Zen) Linie, der von Indien nach China kam und 528 n. Chr. 88 jährig verstarb, von außen (Indien) kommend an seine Shaolin Adepten weitergegeben.

Der Name „Äußere Schule“ wurde gewählt, weil Ta-Mo aus Indien kam. Ta-Mo erfand in langjähriger Meditation ein Übungssystem mit der Absicht, die Gesundheit seiner meditierenden Mönche zu fördern und die Gliedmaßen und Muskeln zu stärken. Sie waren durch dauerndes Sitzen in einem erbärmlichen körperlichen Zustand gewesen.

Diese Übungen wurden im Laufe der Zeit weiter entwickelt und es entstand im Gegensatz zu „Inneren Schule (weichen) Schule der Daoisten“ die „Äußere (harte) Schule der Shaolin“, die eine sehr schnelle und harte Kampftechnik anwendet.

Sowohl die Daoisten, wie auch die Shaolin üben „Jinggong“ (Stilles Qi Gong) und „Donggong“
(Qi Gong in Bewegung).

Allerdings üben die Daoisten „Ruan-Qigong“, wie das Weiche Qi Gong bezeichnet wird, während die Shaolin das Harte Qi Gong, das „Ying-Qigong“ praktizieren.

Der Unterschied ist folgender. Im Jinggong üben die Shaolin, das Qi im „Mittleren Dant'ien“ (hinter dem Brustbein gelegen) zu sammeln und später, dieses Qi in die Extremitäten zu leiten. Das üben sie dann im Ying-Qigong, um es direkt im Kampf einzusetzen.


Der Kampfstil der Inneren Schule.


Im Kampfstil der „Inneren Schule“ der Daoisten wird mit dem „Unteren Dant'ien“ (im Unterbauch) gearbeitet und das Qi dort gesammelt, vermehrt und kultiviert.

Es wir sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Beine verwurzelt sind wie die Wurzel eines Baumes (Motto: unten schwer und oben leicht) und der Angriff des Gegners, der mit einer Wucht von 1000 Pfund vorgetragen wird, mit der Kraft von drei Unzen abgewehrt wird.

Die Angriffsenergie des Gegners soll sich gegen ihn selbst richten. Dabei soll keine Kraft, sondern Qi angewendet werden, denn das „Weiche überwindet das Harte“. Der Angriffskraft des Aggressors, die weich aufgenommen wird, begegnet man durch Nachgeben, Haften und Abprallen.

Nachgeben: Der angegriffene Teil oder die Seite des Körpers wird leer gemacht. „Wenn der Gegner uns stoßen will, trifft er eine unendliche Leere“, so überliefern es die Daoisten.

Haften: Es erfolgt die Bindung des Gegners durch Haften, Fühlen, Verstehen und Ausgleich.
Durch andauerndes Üben der geistigen Konzentration erlangt man eine derart starke Energiemanifestation des Haftens als geistige Kraft, dass die Qi Anwendung die Dimension des physischen Krafteinsatzes des Angreifers um ein Vielfaches übersteigt.

Bei Meistern entsteht mit dem Haften auch die Kraft der Entwurzelung. Dabei wird der Gegner in einer einzigen Bewegung ohne sichtbaren Krafteinsatz vom Boden aufgehoben und viele Meter weit weggeschleudert.

Abprallen: Das ist die höchste Stufe. Das Qi wird in der Weise verdichtet, dass es einem den Körper umgebenden Netz gleicht, an dem geworfene Gegenstände und jeder gegen den Körper gerichtete Angriff abprallt.


Der Kampfstil der Äußere Schule:

Die Shaolin beantworten jeden Angriff hart und schnell.

Sie lenken Qi in die bedrohten Körperzonen und ummanteln ihre inneren Organe mit Qi. Dadurch sind sie gegen Schläge und Hiebe mit Fäusten und Waffen und auch bei Stichen nahezu unverletzlich und wenden ihrerseits vernichtende Schläge an.

Die Shaolin üben von Anfang an das Sammeln von Qi im „Mittleren Dant'ien“.

Schon von Beginn an ist die Ausbildung auf Effizienz im Kampf ausgerichtet.

So versuchen die Adepten nach jeder Sitzung, ihren Körper durch Schläge von außen abzuhärten. Erst mit der Hand und der Faust, dann mit dem Stock und schließlich mit dem Eisen. Sie werden dabei von ihrem Meister begleitet und unterrichtet.

Bei diesem extremen und harten Training, das sehr hohe Anforderungen stellt, kommt es doch auch vereinzelt zu schweren inneren Verletzung, Magen- und Darm- Blutungen und zur Schädigung von Organen durch die Erschütterungen.

Die Fähigkeit, das Qi in die Extremitäten zu leiten und die kunstvolle Beherrschung verschiedenster Waffengattungen wird bis zur Vollendung trainiert, so dass letztlich die spektakulären Kunststücke beherrscht werden, die man von den Vorführungen der Shaolin kennt.

All das funktioniert nur, weil durch die Vorstellung (Yi) das Qi gelenkt wird und den Körper schützt.

Beide Schulen sind in höchstem Maße effizient und demonstrieren eindrucksvoll die Macht des Geistes über den Körper.

Der Weg der Inneren weichen Kampfkunst ist allerdings sehr viel schwieriger und dauert daher erheblich länger.

Auf der Stufe der Meisterschaft sind beide Stile unschlagbar, beweisen wird sich das aber nie lassen. Denn für jeden Meister, egal ob Shaolin oder Daoist gilt:

„Die höchste Form des Kampfes ist das „Nicht-kämpfen.“

Die Daoisten sagen: „Wenn man das Dao auf einer hohen Ebene kultiviert hat, ist die Gelegenheit zum Kampf sehr unwahrscheinlich. Streite dich nicht mit der Welt um weltliche Dinge.“

Wierd dieser Grundsatz befolgt, gibt es kaum eine Grundlage für kämpferische Auseinandersetzungen und „die erworbene Kampfkunst bleibt tief verborgen und kommt nicht zum Vorschein“, sagen die alten Daoisten.

Bei beiden Schulen ist die Idee die geistig-seelische und spirituelle Entwicklung. Nur der Weg ist unterschiedlich.




©2011 Copyright: Dr. Reinhard Hörmann

Sonntag, 15. Mai 2011

Das Sammeln, Lenken und Vermehren des Qi

Das wesentliche Merkmal von Qi Gong ist die Synchronisation von „Inneren und Äußeren Abläufen“, also die Regulierung von Geist, Atmung und Körper (Bewegung). Es geht beim Qi Gong darum, das Qi in den Meridianen zum Fließen zu bringen und Yin und Yang auszugleichen. Es wird beabsichtigt, „Jing“, „Qi“ und „Shen“ zu nähren und zu vermehren.

In der daoistische Tradition dient die „Innere Kampfkunst“ der geistig-spirituellen Entwicklung zum „Wahren Menschen“. Das ist ein Mensch, der mit der Natur in Einklang lebt und die ursprüngliche Natürlichkeit wieder erlangt. Er übt die Kunst der Verlängerung des Lebens, um die ihm durch das „Vorgeburtliche Qi“ gegebene Lebensspanne voll ausschöpfen zu können und nicht durch falsche Lebensweise zu verkürzen. Der Körper (als Einheit mit GeistSeele) ist für die Daoisten der Quell für die geistig-spirituelle Entwicklung, um sich auf höherer Stufe der Kultivierung des Dao zu widmen.

Bei allen Stufen der Übungen der „Inneren Kampfkunst“ steht die Kultivierung des Dao im Vordergrund. Gesundheit, langes Leben und die Förderung ungewöhnlicher geistiger und körperlicher Fähigkeiten sind normale Begleitumstände auf diesem Weg, nicht aber das angestrebte Ziel.

Ihr ureigenste daoistische Anforderung lautet: „Rette dich selbst, dann hilf anderen, sich selbst zu retten und verhilf schließlich der Menschheit, sich selbst zu retten“.

Dieser Tradition entsprechend wurden viele Jahrhunderte das Wissen um das Sammeln, Entwickeln und Lenken von „Innerem und Äußerem Qi“ von Generation zu Generation weitergegeben.

Das Üben mit „Innerem Qi“ (Nei Qi) betrifft sogenannte geschlossene Übungen („Nei Gong“), bei denen ausschließlich mit dem körpereigenen Qi gearbeitet wird. Das sind die Übungen, die das Dant'ien und dem Qi Kreislauf betreffen.

Bei den sogenannten offenen Übungen bezieht man das Qi aus der Umgebung mit ein.

Das Sammeln und Lenken des Qi:

Das Sammeln und das Lenken von Qi durch die Vorstellung und Aufmerksamkeit (Yi) ist das Wichtigste und Essentiellste im Qi Gong. Die Kenntnisse von Qi und seinen Eigenschaften und Strömungstendenzen und der Einsatz der Vorstellung machen erst das Wesen des Qi Gong aus und grenzen es von anderen körperlichen Disziplinen wie etwa Sport und Bewegungsübungen ab.

Für das Sammeln des Qi gibt es 2 Quellen:

Das Qi im Körper
Das Qi in der Umgebung außerhalb des Körpers

Man nimmt das Qi beim Einatmen aus der Umgebung außerhalb des Körpers auf und führt es in der Vorstellung in das Untere Dant'ien. Genauso sammelt man beim Einatmen durch Vorstellung das körpereigene Qi im Unteren Dant'ien. Das nennt man „das Sammeln von Qi“. Es ist immer mit Einatmen verbunden.
Im daoistischen Qi Gong übt man sich immerwährend in der Vorstellung, Qi im Dant'ien im Unterbauch aufzunehmen und zu sammeln. Egal ob man geht, steht, sitzt oder liegt, wird diese Vorstellung geübt, bis diese Vorstellung für den Übenden Realität wird. Das innere Bild des Übenden und die tatsächliche Qi Situation gleichen sich immer mehr an und es kann geschehen, dass sich mit zunehmender Übung das innere Bild der Vorstellung aufgrund der tatsächlichen differenzierten Wahrnehmung ändert. Durch das dauernde Üben, durch dauerndes Tun, kommt es zu einem Gewahrwerden der Realität des Qi und seiner realen Situation im Körper.

Das Verhalten und Strömungstendenzen von Qi:

Einatmen ist immer Sammeln von Qi, Ausatmen ist Loslassen.
Einatmen ist ruhig, man atmet Ruhe ein, Ausatmen ist locker, man entspannt bei der Ausatmung.

Bei den Qi Kreisläufen gibt es viele Versionen. Beim „Kleinen Himmlischen Kreislauf“ gibt es zwei daoistische Schulen, eine führt das Qi über Hui Yin, Du Mai, zum Bai Hui an de Schädeldecke und Ren Mai hinunter und die andere Schule lehrt eine kleinere Version, bei der die Gegend des Herzens mit der der Niere verbunden wird.

Bei Großen Kreislauf gibt viele Versionen. Wenn man durch ständiges Üben ein verfeinertes Körpergefühl entwickelt hat, sollte es bei entsprechende Achtsamkeit möglich sein, dass man die für sich die angenehmste Variante findet.

Wir alle haben die Erfahrung, dass wir am besten ausatmen, wenn wir etwas Schweres heben. Wenn man etwas wegstößt, atmet man aus. Ein Boxer atmet beim Faust-Schlag ebenfalls aus. Atmet man aber im Gegensatz dazu ein, merkt man sofort, dass da etwas nicht stimmen kann und der Bewegungsablauf gestört und nicht explosiv ist.

Mit dem Üben von Qi Gong entsteht im ständigen Tun die nötige Erfahrung und Sensibilisierung unserer Wahrnehmung des Qi in unseren Leitbahnen und Gefäßen. Wir fühlen dann, was angenehm ist, wie das Qi beim Atmen oder bei Körperbewegungen fließt und wie es unserer Vorstellung folgt. Wir spüren auch die Blockaden, wenn das Qi nicht fließt und anfängt zu stocken. Je mehr wir üben, desto sicherer werden wir in der Lage sein, das Qi entsprechend seiner Strömungstendenzen zu lenken.

Der natürlich Qi Fluss beim Qi Gong:

  • An der Vorderseite von Körper und Beinen fließt das Qi beim Ausatmen nach unten.
  • An der Hinterseite von Körper und Beinen fließt das Qi beim Einatmen nach oben.
  • An der Innenseite der Arme fließt das Qi beim Ausatmen vom Körper zur Hand.
  • An der Außenseite der Arme fließt das Qi beim Einatmen von der Hand zum Kopf.
  • In der Körper-Mitte vorne fließt das Qi beim Ausatmen nach unten.
  • An der Körper-Seite fließt das Qi beim Einatmen nach oben.


Die begleitende Vorstellung (Yi):


Wenn man einatmet, stellt man sich vor, dass man Qi aufnimmt.

Wenn man ausatmet, stellt man sich vor, dass man Qi abgibt oder im Körper zu gewissen Regionen oder Bereichen lenkt oder das Qi abgibt oder zu bestimmten Punkten hinleitet.

Atmet man ein, stellt man sich vor, dass etwas (z.B. das Dant'ien) größer wird, sich ausweitet und zunimmt. Beim Einatmen kommt es zur Zunahme.

Atmet man aus, stellt man sich das Gegenteil vor, etwas wird also kleiner und nimmt ab. Beim Ausatmen kommt es zur Abnahme.

Nach oben bedeutet zunehmen, nach unten bedeutet Abnehmen

Nach Innen bedeutet zunehmen, nach außen bedeutet Abnehmen





©2011 Copyright: Dr. Reinhard Hörmann